Komplexe Risiken – globale und nichtglobale – und die Notwendigkeit damit umzugehen (20.6.2021)

Vor mittlerweile mehr als zweieinhalb Jahrzehnten hat sich mir ein Ereignis bzw. eine Begebenheit eingeprägt (eine von vielen, aber eine, die wohl etwas wichtiger gewesen sein muss, da sie mir immer wieder in den Sinn kommt). Eine Abendveranstaltung für einen ausgewählten Studentenkreis im Festsaal einer Bank, mit einem Vortrag eines damals wieder nach Österreich zurückkehrenden Großunternehmers, der von seiner Firmenphilosophie und seiner Meinung nach von den Grundlagen seines Erfolges erzählte. Der für mich damals – wie heute – wesentliche Erzählstrang war dabei, die Vorgehensweise oder das Konzept, neue Unternehmen im Unternehmen entstehen zu lassen. Wenn also ein Mitarbeiter beispielsweise eine gute Geschäftsidee hatte, dann konnte er – nach Bestehen einer Überprüfung – diese Idee in einer eigenen organischen Einheit entwickeln. Im Sinne der Schaffung von möglichst lebensfähigen und anpassungsfähigen sowie erfolgreichen und motivierenden, die Eigenverantwortung und Erfolgszurechnung begünstigenden Strukturen. Organisches Wachstum habe ich in den Ohren. Organische Strukturen fallen mir dazu ein.

Resilienz versus Effizienz in sozioökonomischen Systemen zu überdenken, fordert auch die BIZ (Green Swan 2). Komplexe globale Risiken wie Covid 19 (bzw. häufiger auftretende Pandemien) und Klimarisiken stellen massive negative Externalitäten dar. Sie bilden solche enormen Belastungen für die Wirtschaft, das Leben und die Gesundheit der Menschen, dass sie ein sehr hohes Maß an globaler Koordination und lokaler Kooperation erfordern. Green Swan Ereignisse, wie die BIZ sie nennt, sind gekennzeichnet durch sehr wahrscheinlichen bzw. sicheren Eintritt, aber ungewissen Eintrittszeitpunkt und Art der Manifestation. Außerdem zu komplex um verständnismäßig vollkommen durchdrungen zu werden. Die Forderung nach Internalisierung der Kosten, nach risikoadäquater Bepreisung und nach Anpassung der Risikoquantifizierungs- und -managementmethoden kann also nur ein Teil der Rechnungstragung sein. Der andere muss auf das System als solches schauen, und (wie auch bereits begonnen wurde in Ansätzen) die bestehende Struktur des Wirtschaftens (insbesondere international in dieser Hinsicht) auf den Prüfstand stellen. Und in ein tragfähiges und nachhaltiges System, das dem Menschen und der Wirtschaft dient umgestalten. Wo Altes unattraktiv oder teuer wird, entsteht Platz für Neues – siehe Umwelttechnologie. Die Mehrung des Wohlstands findet in einem multidimensionalen Wirtschaftssystem statt. Neue Dimensionen werden sich eröffnen, und andere die ausgedient haben schließen. Viele haben einen hohen Preis bezahlt für Covid 19 – und insofern sind wir, die wir hier über Optimierungsprobleme sprechen, in einer Luxussituation und damit in der Verantwortung.

Der Eintritt dieser komplexen globalen Risiken ist sehr wahrscheinlich. Allein unsere Wahrnehmung davon könnte erst durch Covid 19 eine Änderung erfahren haben. Sodass die Erschütterungen so massiv waren, dass die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung mit dieser Gefahr auch außerhalb der Wissenschaft erkannt wurde und breit Fuß gefasst hat.

Organisch, daran denke ich auch, wenn ich an die Erziehungs- und Ausbildungskonzepte eines bekannten Genetikers denke. Und das Bild des Spielfelds (des Lebens wohl) vor mir habe, auf dem man dann schon gut aufgestellt sein soll, damit man den Ball fängt und das Spiel gewinnen kann – oder zumindest nicht hoffnungslos verloren sein mag. Auch dazu gibt es Für und Wider. Aber eines bleibt aus meiner Sicht: Es ist logisch.

Wer dachte, dass der Grüne Schwan gefährlicher werden könnte als der schwarze?1

1 BIZ, S.6: Black Swan: „Tail risks, perhaps non-Gaussian. Ex-post rational explanation after occurrence“

#Covid19 #ClimateRisk #ComplexRisks #GlobalLocal #Fitforsurvival #StrategicManagement

Illustration: Die Mühle Visual Studio